Myrrhenbaum und Myrrhe

Myrrhe ein uraltes Heilmittel

Myrrhenbaum Zeichnung
Myrrhenbaum Zeichnung
Der Myrrhenbaum blickt auf eine lange und bedeutende Geschichte in Kultur und Medizin zurück. Sein Harz, die Myrrhe, ist von jeher begehrt.

Myrrhenbaum wissenschaftlich Commiphora molmol Engler gehört zur
Familie: Balsambaumgewächse - Burseraceae

Inhaltsübersicht
  1. Myrrhe uralte Heilpfllanze
  2. Inhaltsstoffe
  3. Die Heil- und Arzneipflanze
  4. Wirkung
  5. Anwendung
  6. Kosmetische Verwendung
  7. Verwendung als Räucherwerk
  8. Namen und deren Bedeutung
  9. Fazit

Der Myrrhenbaum oder kurz Myrrhe ist eine uralte Heilpflanze

Die Myrrhe blickt auf eine uralte Geschichte zurück. Mit ihr wurden schon vor über 3000 Jahren im alten Ägypten die Toten einbalsamiert.
In der Bibel ist sie an einigen Stellen benannt. Am bekanntesten dürfte diese im Neuen Testament sein, als die drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem in den Stall zur Krippe Jesu kommen. Dort heißt es im Evangelium nach Matthäus (Mt 2,11) sie „gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“
Auch heute weiß man sie zu schätzen. 2021 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.
Der Myrrhenbaum wächst im Osten Afrikas und auf der arabischen Halbinsel und erreicht eine Höhe von bis zu 4 m. Er hat einen kurzen Stamm und knorrige Äste, die mit Dornen besetzt sind.

Inhaltsstoffe

Die Myrrhe also das getrocknete Gummiharz besteht aus
30-60% wasserlöslichen Gummen. Besteht aus einem Gemisch aus Proteoglykanen
25-40% aus alkohollöslichem Harz. Es enthält hauptsächlich Diterpen- und Triditerpensäuren, welche als Commiphorasäuren bekannt sind.
3-8% aus ätherischem Öl besteht aus zu 85 bis 95% aus Sesquiterpenen

Die Heil- und Arzneipflanze

Nicht nur in der heutigen Zeit als Arzneipflanze des Jahres 2021 macht der Myrrhenbaum auf sich aufmerksam. Schon in uralten Zeiten wird über seine Nutzung als Heilpflanze berichtet.

Aufzeichnungen aus dem alten Ägypten zeugen von Wundversorgung und Hustenbehandlung mit Hilfe der Myrrhe.

Dioskurides schreibt im 1. Jh. nach Chr. in seiner Arzneimittellehre: „Die Myrrhe ist die Thräne eines in Arabien wachsenden, der ägyptischen Akazie ähnlichen Baumes, aus dem nach der Verwundung die Thränen theils auf untergebreitete Matten fliessen, theils aber am Stamm erhärten“.
Dioskurides nimmt Myrrhe gegen chronischen Husten, Seiten- und Brustschmerzen, starken Durchfall. Des Weiteren bei Heiserkeit, Mundgeruch und Würmern.

Im 12. Jahrhundert beschreibt Hildegard von Bingen wie die Myrrhe gegen Zauberei wirkt und welche Heilwirkung sie hat. Sie thematisiert dabei Gelbsucht und Lähmungen und empfiehlt eine Salbe bei Magenschmerzen.

Mitte des 14.Jahrhunderts wütete die Pest in Deutschland. Gegen diese wurden Mittel wie der Vierräuberessig und die Pestpillen eingesetzt. Die Pestpillen bestanden aus Myrrhe, Aloe und Safran. So nutzen die Ärzte die entzündungshemmende und antibakterielle Kraft der Myrrhe um die Seuche zu bekämpfen.

Im 15. Jahrhundert schreibt das Kräuterbuch „Gart der Gesundheit“ über die verdauungsfördernde und Magen erwärmende Wirkung der Myrrhe.

Das 16. Jahrhundert bringt das Kräuterbuch von Mattioli. Dort wird eine Wirkung der Myrrhe gegen Husten, schweres Atmen (Asthma), Seitenschmerzen (Entzündung der Lunge oder des Rippenfells), Durchfall und Blähungen beschrieben.

Im 19. Jahrhundert wird in dem dreibändigen Werk „Köhlers Medizinal-Pflanzen“ die Anwendung bei Magen- und Verdauungsbeschwerden beschrieben.

Im 20. Jahrhundert erscheint das „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von Gerhard Madaus. Hier ist die Anwendung bei Erkrankungen der Mundhöhle benannt und der Nutzen bei Wundheilung sowie bei allen Schleimhautkrankheiten beschrieben.

In neuerer Zeit wird über die Myrrhe in Kräuterbüchern berichtet. In dem Kräuterbuch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ wird die Myrrhe als Bestandteil der Schwedenkräuter Rezeptur aufgeführt. Auch der Theriak eine weitere über 2000 Jahre alte Rezeptur für ein Allheilmittel enthält die Myrrhe.

Myrrhe Harz

Beschreibung der Drogen:
Myrrhe, Echte Myrrhe, Myrrha

Myrrhe
Ist ein Gummiharz, das aus dem Myrrhenbaum entweder von selbst oder nach dem einschneiden der Rinde austritt. Dieses wird dann an der Luft trocknen gelassen.
Es entstehen so orangefarbene Stücke der Myrrhe.

Im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) werden
Myrrhe (Myrrha) und
Myrrhentinktur (Myrrhae tinctura)
aufgeführt und entsprechende Qualitätsanforderungen beschrieben. (1)

Wirkung

Entzündungshemmend
Antibakteriell
Antimikrobiell
adstringierend

Anwendung
Anerkannte Anwendungen durch die Kommission E ist die lokale Behandlung leichter Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches.
Mit Myrrhentinktur Zahnfleischentzündung bekämpfen ist eine gängige Form.

Myrrhe ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel von dem HMPC eingestuft. Es wird daher Myrrhe als Fertigarzneimittel angeboten.
Man kann sie meist als Myrrhentinktur kaufen*. Aber die Myrrhe ist auch als Harz und in anderen Formen erhältlich.

Myrrhentinktur
Herstellen einer Tinktur:
1 Teil Myrrhe wird in 5 Teilen 90 %igem Ethanol aufgelöst.

Diese kann mit einem Pinsel oder Wattestäbchens zwei- bis dreimal am Tag unverdünnt auf die entsprechenden Stellen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches aufgetupft werden.
Eine andere Möglichkeit ist 5 bis 10 Tropfen Tinktur in einem Glas Wasser verdünnen. Mit dieser Verdünnung spülen oder gurgeln.

In der Literatur findet man weitere Möglichkeiten benannt, wie die Anwendungen bei:
  • Entzündungen und Infektionen im Darm
  • Reisedurchfall
  • Lippenherpes
  • Mundgeruch
  • Schweißfüße
  • Menstruationsbeschwerden
  • Bronchitis
  • Stillen von Blutungen
  • Gegen Insekten.

Über die Wirksamkeit der Myrrhe gibt es auch zahlreiche Studien.

Eine Studie zeigte sich die Myrrhe als eine der wirksamsten natürlichen Substanzen beim Befall von Candidapilzen im Mund.(2)

Eine Studie bezüglich Colitis ulcerosa ergab, dass ein pflanzliches Präparat aus Myrrhe, Kamillenextrakt und Kaffeekohle gut verträglich ist und ein gutes Sicherheitsprofil aufweist. Es wurden Hinweise auf eine potenzielle Wirksamkeit gefunden, die einer Therapie mit Mesalazin nicht unterlegen ist.(3)

Kosmetische Verwendung

Wird bei Seifen, Lippenstiften, Rasierwasser, Mundwässern und Zahnpasten eingesetzt.

Verwendung als Räucherwerk

Die Myrrhe räuchern hat einen herben, würzigen Duft und vermittelt Erdung sowie Sinnlichkeit. Ihre Botschaft steht auch für Reinigung und Klarheit des Geistes.
Im alten Ägypten herrschte eine enorme Nachfrage nach Myrrhe Sie wurde nicht nur zum Einbalsamieren der Toten verwendet, sondern auch für die tägliche Räucherung der Tempel.
Laut dem griechischen Dramatiker Euripides wurde sie als ein Teil der Räuchermischung des Orakels von Delphi verwendet.

Namen und deren Bedeutung

Der wissenschaftliche Name lautet:
Commiphora molmol Engler oder
synonym Commiphora myrrha (T. Nees)

Commiphora geht auf die griechischen Wörter „kómmi“ für das Pflanzengummi (Harz) und „phoros“ für tragend und weist darauf hin, dass viele Commiphora Arten ein Gummiharz haben (in sich tragen).

Myrrha kommt vom arabischen „murr“ oder dem lateinischem „murra“. Beides bedeutet auf Deutsch bitter und benennt den bitteren Geschmack der Myrrhe. In Somalia sagt man zu bitter „molmol“.

Weitere Namen
Echte Myrrhe, Heerabol-Myrrhe, Männliche Myrrhe, Myrrhen, Myrrhenstrauch, Rote Myrrhe

Englisch: African myrrh, common myrrh, herabol myrrh, myrrh, Somali myrrhor
Französisch: Arbre à myrrhe, balsamier

Fazit

Der Myrrhenbaum und sein Harz, die Myrrhe, haben sich über tausende von Jahren als Balsam, Räucherwerk und Heilpflanze bewährt. Heute wie damals weiß man ihren besonderen Wert zu schätzen.

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Myrrhenbaum und Myrrhe eine bewährte Heilpflanze

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Quellen
(1) Myrrhentinktur (Myrrhae tinctura) Monographie Ph. Eur. 10 / 1877
(2) Carvalhinho, S., Costa, A. M., Coelho, A. C., Martins, E., & Sampaio, A. (2012). Susceptibilities of Candida albicans mouth isolates to antifungal agents, essentials oils and mouth rinses. Mycopathologia, 174(1), 69–76. https://doi.org/10.1007/s11046-012-9520-4
(3) Langhorst J, Varnhagen I, Schneider SB, et al. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis--a double-blind, double-dummy study. Aliment Pharmacol Ther. 2013;38(5):490-500. doi:10.1111/apt.12397

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