Was hat das Theriak Rezept mit der Unsterblichkeit zu tun?

Manch einer wünscht sich vielleicht unsterblich zu sein. Dies kann das Theriak Rezept zwar nicht bewirken, aber schon vor langer Zeit soll Mithridates VI. erlebt haben, wie es vor dem Tod schützt.
Dieser griechische König nahm stets den von ihm und seinem Leibarzt weiterentwickelten Theriak ein, um immun gegen einen Giftanschlag zu werden. Dieses Allheilmittel nannte er „Athanasia“ was auf Deutsch Unsterblichkeit heißt. Zu dem Ernstfall eines Anschlages war kein Bericht zu finden, aber der Theriak stellte seinerzeit dennoch sein Können unter Beweis.
Mithridates hatte bei seiner Kriegsführung nicht allzu viel Erfolg und wurde abgesetzt. Es ist überliefert, dass er sich daraufhin entschlossen hat sich selbst umzubringen und sich zu vergiften. Dabei offenbarte allerdings die Rezeptur des Theriaks ihre volle Wirksamkeit und der Selbstmord misslang. Das Gift verfehlte aufgrund der andauernden Einnahme des Theriaks seine Wirkung.
In Anlehnung an den Namen des griechischen Herrschers nennt man diesen Vorgang der Immunisierung heutzutage Mithridatisation.
Auf jeden Fall soll so dem König, Dank dieses Rezeptes und der damit verbundenen Immunität gegenüber dem Gift, nichts anderes übrig geblieben sein, als sich auf der Burg von Pantikapaion mit einem Schwert töten zu lassen.

Selbstverständlich ist dieses uralte Heilmittel, das sich immer wieder in der Rezeptur dem Wandel der Zeit angepasst hat, nicht in der Lage uns vom Tod zu befreien und uns unsterblich zu machen. Aber das Theriak Rezept selbst hat schon etwas von Unsterblichkeit.
Von der Zeit als es erstmals in die Mauer von Kos eingemeißelt wurde bis zum Eintrag in das erste Deutsche Arzneibuch sind über zweitausend Jahre vergangen und es existiert noch heute. In dieser Zeit war die Rezeptur äußerst lebhaft und hat sich immer wieder gewandelt. Dabei erwarb es sich so klangvolle Namen wie „Himmelsarznei“, „Theriak Venezian“, „Mutter aller Gegengifte“ oder „Königin der Arzneimittel“.
Und auch heute nach so unendlich langer Zeit lebt das Theriak Rezept weiter. Es gibt zum einen den Theriak selbst zu kaufen und zum anderen ist er als ein bedeutender Bestandteil der bekannteren Schwedenkräuter, dem Langen Leben Elixier, verfügbar.

Das Theriak Rezept im Wandel der Zeit

Der Ursprung der Rezeptur war in die Mauer des Asklepieion von Kos eingemeißelt. Eine Kräutermischung, die Kräuter wie Anis, Fenchelsamen und Kümmel enthält.

Um 170 v.Chr. schreibt der Arzt und Dichter Nikandros von Kolophon in einem Lehrgedicht den Namen Theriak nieder. Es handelt von den Stichen und Bissen wilder Tiere.

Zur Zeit des Mithridates VI. König von Pontos. (120 v. Chr. bis 63 v. Chr.), dessen gescheiterter Selbstmordversuch oben geschildert wurde, steigen die Bestandteile der Theriak Rezeptur auf 54 verschiedene an. Um Giftanschlägen vorzubeugen werden tierische Zutaten, wie Entenblut oder Krötenfleisch, hinzugefügt.
Es diente als Gegengift, was auch Antidot oder Mithridatikum, eben durch den Bezug zu diesem König, bezeichnet wird.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wendet sich Andromachos der Ältere, der Leibarzt Neros, in seinem Gedicht vor allem der Beschreibung der einzelnen Zutaten zu. Er wollte eine wirklich nachvollziehbare und umsetzbare Gebrauchsanleitung erstellen. Man spricht bei dessen Rezeptur vom „Theriacum Andromachi“.
Theriacum Andromachi Gefäß

Während des Mittelalters kam der Theriak groß heraus. Insbesondere auch zu Zeiten der Pestepidemie, die 1347 begann. Er galt als ein Wunder- und Allheilmittel, das bei schweren Erkrankungen wie der Pest oder Syphilis eingesetzt wurde.
Die Anzahl der Zutaten stieg bis an die 300 an. Dabei waren recht ausgefallene und auch tierische, wie Entenblut, zerquetschte Eidechsen und Schlangenfleisch.
Die Hauptbestandteile waren Opium, Engelwurz und echter Baldrian.

Im 18. Jahrhundert reduzierte sich die Zutatenliste wieder. Die Inhalte tierischen Ursprungs wurden durch pflanzliche Inhaltsstoffe ersetzt. Darunter befanden sich Pflanzen wie Rosmarin, Baldrian, Sauerampfer, Lavendel und Weinraute.

Als er 1882 im ersten gesamtdeutschen Arzneibuch eingetragen umfasst die Zutatenliste 12 Bestandteile.

Konkrete Beispiele des Theriak Rezeptes sind im Lorscher Arzneibuch und im Deutschen Arzneibuch zu finden.

Im Lorscher Arzneibuch 8. Jahrhundert

Das Lorscher Arzneibuch enthält die folgenden Theriak Rezepturen und Beschreibungen1): Theriak, das Theriakmittel aus vier Stücken, Theriakmittel für jeden Schlangenbiss und Theriakmittel.
Diese werden darin folgendermaßen beschrieben.

Theriak
Nach diesem Arzneibuch nennt man den Theriak Wurm- oder Schlangenmittel und
er hilft insbesondere bei Aussatz in Meerzwiebelessig.
Die Wirkungen sind demnach:
Er zeigt seine Wirkung bei Leberleiden, bei allen Krankheiten des Körpers als auch gegen Gifte.
Er hilft bei „Bauchfluss“ (= Dysenterie, Ruhr) und Viertagefieber (Alle 4 Tage auftretender Fieberschub bei Malaria quartana).
Er bietet Schutz vor zu viel Schwarzer Galle (melancolicis) und bei Schlangenbissen.

Dieser enthält:

Meerzwiebel-Trochisken (Pastillen)
Diese werden wie folgt zubereitet:
Eine Meerzwiebel in Tonerde hineingeben, in einen heißen Badeofen (fornacem aedentem balnei) stellen und eine ganze Nacht darin stehen lassen.
Den anderen Tag dessen Inneres herausnehmen und 15 Unzen davon abwiegen.
Dann 17½ Unzen Linsenwickenmehl (herbi farina) hinzufügen.
Zusammen verreiben und daraus
6 Trochisken (Pastillen) machen und im Schatten trocknen lassen.

Schlangen-Trochisken (Pastillen)
6 Lot, die folgenden Inhalt haben:
4 oder 5 frisch wild gefangene Vipern, denn in der Gefangenschaft würden sie ein schärferes Gift entwickeln.
Von den gefangenen Schlangen werden Schwanz und Kopf vier Finger breit abgeschnitten. Der Schwanz und Kopf werden weggeworfen.
Das Verbliebene wird abgehäutet, ausgeweidet, gewaschen und kommt in einen neuen irdenen Topf hinein.
Dazu wird Öl, Dillzweige sowie ein wenig Salz hinzugefügt und wie ein Aal gekocht. Danach werden sie gewaschen, die Knochen entfernt und weggeworfen.
Das Fleisch wird mit ebenso viel reiner Zwiebackkrume gemischt und das ganze verrieben. Dann werden die Hände in Balsamsaft hineingetaucht und Pastillen mit je drei Unzen Gewicht geformt. Diese werden trocknen gelassen.

Das Theriakmittel aus vier Stücken
Zutaten:
In gleicher Menge: Myrrhe, Basilienkraut, Runde Hohlwurz, Lorbeeren und Enzian.
Das Ganze wird zerstoßen und gesiebt. Es wird in einem gläsernen Fass oder in einer Büchse aufbewahrt.
Bei Bedarf wird es drei, fünf oder sieben Tage lang bis zur Genesung verabreicht. Gegen alle tödlichen Gifttränke und auch bei Eibenvergiftungen mit Kohlsaft und warmem Wasser.
Gegen Milzerkrankungen ebenso und gegen Wassersucht.
Das Pulver wird bei Bissen von Schlangen, Giftspinnen, von einem Skorpion, einer Spitzmaus oder einem tollwütigen Hund aufgelegt.
Gegen Gelbsucht, Ohrenschmerzen.

Theriakmittel für jeden Schlangenbiss
Dieses schickte Dionysios von Milet an Ptolemaeus, den Sohn des Königs Iuba. In einem Begleitschreiben stand, dass es gegen Vipern, Giftspinnen, Skorpione und gegen jede Schlange helfe, ja sogar gegen die ägyptische Brillenschlange.
Darin sicherte er auch zu, er habe die Wirksamkeit des Mittels getestet. Er hebe einen zum Tod Verurteilten mit einer giftigen Brillenschlange zusammen eingesperrt. Auf deren Biss drohte der Verurteilte zweifellos sofort zu sterben. Der Tod wurde durch die Einnahme eben dieses Theriaks verhindert.

Folgendes enthält dieser:
4 heute gültige Drachmen von Sandthymian, Opopanax und Asphaltkleesamen
20 Drachmen Natternkopf, die Pflanze wird Vipernkraut genannt
Die Zutaten werden zerstoßen und gebunden. Daraus formt man Kügelchen von
einer oder einer halben Drachme Gewicht.
Allerdings in einem Gewicht von zwei Drachmen, falls
eine heute gültige Drachme jeweils von Fenchel, Opium, Kardamomen und Linsenwickenmehl hinzugefügt wird.
Werden diese Kügelchen mit Wein eingenommen, so lindern diese sofort den Schmerz und befreien von jeder Gefahr.

Theriakmittel
Dies hilft gegen die Bräune (=Diphterie auch Halsbräune genannt), wenn man damit gurgelt.
Das Mittel wirkt bei Atemnot, Fallsucht, Gicht, Seitenstechen, Leberleiden, Milzsucht, Magenleiden, Durchfall und Erkrankungen des Unterleibs, bei Erkältung bzw. bei
Schmerzen der Nieren, bei Harnsteinen und Blasenschmerzen.
Bei Erkrankungen des Mundes, bei Nieren- und Lungenentzündung hilft es. Das Mittel reinigt das Haupt und sogar bei Schlangenbissen hilft es.

Die Beschreibung lautet:
20 Drachmen Koloquintenknorpel,
je 10 Drachmen Runde Hohlwurz, Eppichsamen, Indische Narde, Petersilie, Safran und Kassie;
je 14 Drachmen Asphaltkleesamen, Kardamom, Kranewittbeeren und weißen Pfeffer; je 7 Drachmen Schopf-Lavendel, Gamander, Andorn, Mönchspfeffer, Zaunrübe, Bartgrasblüte, Möhrensamen, äthiopischen Kümmel, gekochte Meerzwiebeln, Berg-Raute, Lorbeeren, Mannstreuwurzeln und Weihrauch;
8 Drachmen Sagapenum, 6 Drachmen Myrrhe, 5 Drachmen Enzian,
3 Drachmen Opopanax,
4 Drachmen Lauch-Gamander,
4 Drachmen Polei-Gamander,
3½ Drachmen Tausendgüldenkraut, ungesottenen Honig in ausreichender Menge.

Zwei Drachmen dieses Medikamentes wird in einem Trank mit Wassermet verabreicht. Dies ist sehr gut und äußerst bewährt.

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Das Theriak Rezept im Deutschen Arzneibuch

1882 erscheint das erste gesamtdeutsche Arzneibuch (DAB 1) mit den Vorschriften der Arzneibereitung. Das Rezept für den Theriak lautet dort:

1 Teil gepulvertes Opium
3 Teile spanischen Wein
6 Teile Angelikawurzel
4 Teile Virginische Schlangenwurzel
2 Teile Baldrianwurzel
2 Teile Meerzwiebel
2 Teile Zitwerwurzel
9 Teile Zimt
1 Teil Kardamom
1 Teil Myrrhe
1 Teil Eisenvitriol
72 Teile Honig

Zubereitung: Opium und spanischen Wein einen Tag lang unter gelegentlichen umrühren mazerieren. Dann mit den anderen Bestandteilen mischen.
Die entstehende braune Latwerge ist an einem kalten Ort aufzubewahren.

1953 ist der Theriak letztmals im Deutschen Arzneibuch (DAB 6) enthalten. Der heute erhältliche Theriak besteht aus den in Xereswein und Honig gemischten Drogen.

Aktuelles Theriak Rezept

In folgender Form wird der Theriak (Electuarium Theriaca sine opio) heute hergestellt.

20,2 g Theriak Drogenmischung:
  • Angelikawurzel, Radix Angelicae pulv. gross. 40%
  • Baldrianwurzel, Radix Valerianae pulv. gross. 15%
  • Zimtrinde, Cortex Cinnamomi ceyl. pulv. gross. 15%
  • Zitwerwurzel, Rhizoma Zedoariae pulv. gross. 15%
  • Kardamomen, Fructus Cardamomi incort. pulv. 7,5%
  • Myrrhe, Myrrha pulv. gross. 7,5%

72,7 g Honig Ph.Eur.
1,0 g Eisenvitriol, Eisen(II)-sulfat Ph.Eur.
6,1 g Likörwein 18% (V/V) Ethanol DAB

Das Eisen(II)-sulfat wird unter Erwärmen in der Mischung aus Honig und Likörwein gelöst und die Theriak Drogenmischung eingearbeitet. Es ergibt eine würzig duftende, dunkelbraune und klebrige Masse.

Fazit

Das Theriak Rezept hat in seiner Tradition als Gegengift einiges mit Unsterblichkeit zu tun. Die Rezeptur an sich scheint unsterblich zu sein. Jedenfalls hat sie sich den Zeiten angepasst und damit Jahrtausende überlebt.
Noch heute wird der Theriak hergestellt und ist Bestandteil der beliebten Schwedenkräuter.
Die Zeit wird zeigen wie unsterblich diese uralte Rezeptur wirklich ist.

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Quellen
1 Stoll, Ulrich, Das „Lorscher Arzneibuch“*. Ein medizinisches Kompendium des 8. Jahrhunderts (Codex Bambergensis medicinalis 1). Text, Übersetzung und Fachglossar. Stuttgart: Steiner 1992.

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Theriak Rezept unsterblich im Wandel der Zeit

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