Frohe Weihnachten
Frohe Weihnachten

Stille Nacht, heilige Nacht

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’.
Jesus! in deiner Geburt!
Jesus! in deiner Geburt!

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n
Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschengestalt!

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel „Halleluja!“
Tönt es laut bey Ferne und Nah:
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“

Joseph Mohr
Bild: Dieter Hubert

Joseph Mohr hat dieses Gedicht 1816 in Mariapfarr im Lungau geschrieben. 1818 komponiert Franz Xaver Gruber vor Weihnachten die Melodie im Schulhaus von Arnsdorf. Im gleichen Jahr singen er und Joseph Mohr an Heiligabend in der St. Nikolaus Kirche (Oberndorf in der Nähe von Salzburg) zum ersten Mal das Lied.
Heute ist es wohl das bekannteste Weihnachtslied auf der Welt und wurde in unzählige Sprachen übersetzt.

4. Advent, bald ist Weihnachten und alle vier Kerzen brennen.
4. Advent, bald ist Weihnachten und alle vier Kerzen brennen.

Die vier Kerzen


Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte:
Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht."
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte:
Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne."
Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze war aus.

Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort.
"Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: "Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und es fing an zu weinen.

Doch da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte:
"Hab keine Angst, denn so lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen immer wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung."

Voller Freude nahm das Kind mit einem Streichholz Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

Bild: Dieter Hubert

Vier Kerzen in der Weihnachtszeit
Zur Weihnachtszeit stimmt Robert Metcalf mit Texten zum Träumen und Schmunzeln auf die Zeit der Besinnung und des Kerzenscheins ein. Zu hören auf seiner Audio-CD (oder Audiobook) ""Vier Kerzen. Musikalischer Adventskalender"*.

Auf dem Weg nach Weihnachten
Auf dem Weg nach Weihnachten

Verse zum Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Theodor Fontane
Bild: Dieter Hubert - Auf dem Weg nach Weihnachten

Nikolaus wird von Knecht Ruprecht begleitet.
Nikolaus wird von Knecht Ruprecht begleitet.

Knecht Ruprecht (drauß vom Walde)

Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;
Und morgen flieg' ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat." -
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern." -
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find'!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Theodor Storm
Bild: Dieter Hubert

Dieses Gedicht dürfte wohl das bekannteste Weihnachtsgedicht Theodor Storms sein. Das Weihnachtsfest war für den Dichter von großer Bedeutung. Daher nimmt es den entsprechenden Raum in seinen Werken ein.
Seine Weihnachtserzählungen und Weihnachtsgedichte sowie Briefe, die über seine Weihnachten berichten, sind in dem Buch "Theodor Storms Weihnachten: Dokumente, Gedichte, Erzählungen"* von Gerd Eversberg zusammengefasst.

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